Berlin-Kreuzberg, 11. Mar 2010

Download der AKÜKS-Berichte

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Arbeitskreis Übergang vom Kindergarten in die Schule (AKÜKS)

Projektbeschreibung für “Doku & Eva”, die Dokumentation und Evaluation der neuen Schuleingangsstufen in Berlin und Brandenburg. Erster Zwischenbericht April 2006

Allgemeine Zielsetzungen

Das Ziel dieses Projektes ist es, die neuen Konzepte für den Übergang vom Kindergarten in die Schule, die durch die Vorverlegung des Einschulungsalters notwendig waren, zu evaluieren. Durch verschiedene Methoden der Praxisforschung wie Fragebögen, Beobachtungsbögen, protokollierte Konferenzgespräche, strukturierte Interviews und Hospitationen sollen Daten erhoben werden, die als Grundlage zur Urteilsbildung dienen sollen. Es geht darum zu überprüfen, ob sich die Konzepte in der Praxis bewähren und herauszufinden, welche Verbesserungsmaßnahmen nötig sind.

Eine weitere Zielsetzung für AKÜKS ist die Auswertung der Erfahrungen im Hinblick auf die Entwicklungen in der gesamten Bundesrepublik. Das Berliner Projekt hat Vorreiterfunktion für viele Waldorfeinrichtungen in anderen Bundesländern. Es sollen nicht nur pädagogische Erfahrungen gesammelt und inhaltlich betrachtet werden, sondern es sollen auch Arbeitsmethoden und Arbeitshilfen zur Konzeptevaluation entwickelt werden, die allgemeinen Charakter haben.

Am Ende der Evaluation soll ein Abschlussbericht für die Einrichtungen und für die eventuellen politischen Verhandlungen mit dem Berliner Senat stehen.

Zeitrahmen

Das Projekt soll ab August 2005 über einen Zeitraum von zwei Jahren durchgeführt werden.

Träger des Projektes

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen AKÜKS (Arbeitskreis Übergang vom Kindergarten in die Schule, im Auftrag der IVW (Internationale Vereinigung der Waldorfkindergärten), der IVW Berlin/Brandenburg sowie des Bundes der Freien Waldorfschulen) und AKÜKS-BB (Arbeitskreis Übergang vom Kindergarten in die Schule Berlin Brandenburg).

Mitglieder des AKÜKS sind Frau Dr. McKeen, Frau Kaiser, Herr Schmidt und Herr Rawson.

AKÜKS-BB besteht aus Frau Baader, Frau Baganz, Frau Ernst-Bonnesoeur, Frau Carlhoff, Herrn Bauer und Herrn Wilkening. Sie arbeiten als Steuerungsgruppe in Berlin.

Die Projektkoordination in Berlin hat Herr Dr. Knoch.

Projektteilnehmer (Einrichtungen)

  • Emil Molt Schule
  • Freie Waldorfschule Berlin Südost
  • Freie Waldorfschule Cottbus
  • Freie Waldorfschule Kleinmachnow
  • Freie Waldorfschule Kreuzberg
  • Freie Waldorfschule Mitte
  • Waldorfkindergarten Falkensee
  • Waldorfkindergarten Forum
  • Waldorfkindergarten Hollerbusch
  • Waldorfkindergarten Karlshorst
  • Waldorfkindergarten Kreuzberg
  • Waldorfkindergarten Lichtenrade
  • Waldorfkindergarten Lindenbaum
  • Waldorfkindergarten Mansfelder Straße
  • Waldorfkindergarten Pankow
  • Waldorfkindergarten Zehlendorf
  • Waldorfkindergarten-Initiative Munkelrübe
  • … und weitere

Projektverlauf

  • Der AKÜKS hat die Forschungsinstrumente entwickelt (Fragebogen für die Eltern zur Erfassung der familiären und gesundheitlichen Situation der Kinder, Beobachtungsbogen für die Erzieher, bzw. Lehrer in den Eingangsstufengruppen) und sie mit der Steuerungsgruppe beraten.
  • Es wurde eine Pilotphase zum Ausprobieren und zur Auswertung der Eltern-Fragebögen sowie der Erzieher-Beobachtungsbögen durchgeführt.
  • Alle beteiligten Einrichtungen wurden über das Projekt in Konferenzen sowie schriftlich informiert.
  • Die Vertreter aller Einrichtungen nahmen an einer Fortbildung im Umgang mit den Beobachtungsbögen und zur Schulung der Wahrnehmung teil.
  • Mit den Verantwortlichen aller Einrichtungen wurden schriftliche Projektvereinbarungen verfasst (von denen leider noch eine ganze Reihe ausstehen).
  • Die Einrichtungen wurden gebeten, ihr Konzept in schriftlicher Form zu beschreiben und der Projektleitung zur Verfügung zu stellen.
  • An alle Einrichtungen wurden ein Beobachtungsbogen für Erzieher und ein Fragebogen für die Eltern geschickt.
  • AKÜKS-Mitglieder haben in den folgenden Einrichtungen hospitiert: Dahlem, Cottbus, Pankow, Forum Kreuzberg, Munkelrübe, Alte Jakobstrasse, Kleinmachnow, Berlin Südost (Schuleingangsphase), Wedding, Munkelrübe, Emil Molt Schule (Zwergen-Klasse), FWS, Berlin-Mitte.
  • Mit Erziehern bzw. Lehrern wurden Interviews durchgeführt.
  • Die erste Erhebung wurde ausgewertet und ein Feedback gegeben.

Zielsetzung der ersten Erhebung

Das Hauptziel der Erhebung war es, ein Bild von den Kindern in den einzelnen Einrichtungen zu bekommen, damit ein Vergleich mit den Ergebnissen der folgenden Erhebungen erfolgen kann. Wir möchten sehen, ob die Auswirkungen der verschiedenen Konzepte an der Entwicklung, dem Wohlbefinden und an dem Verhalten der Kinder abzulesen ist.

Der Eltern-Fragebogen diente dem Zweck, sich ein Bild von der familiären und gesundheitlichen Situation der Kinder entsprechend der Beobachtung der Eltern zu machen.

Aus diesen Daten erhoffen wir uns einen Einblick in die Auswirkungen der einzelnen Konzepte, sowohl bei den Kindern, die in neue Eingangsstufen eingeschult worden sind, als auch bei den in den Kindergärten verbliebenen Kindern. Denn das Fehlen der ältesten Kinder dürfte zu einer Veränderung der Gruppendynamik im Kindergarten führen, insbesondere, wenn in der Folge vermehrt jüngere Kinder aufgenommen werden mussten.

Voraussetzungen und Thesen

Wir gehen davon aus, durch die Befragung der Eltern zur gesundheitlichen Situation der Kinder ein Bild über die Auswirkungen der neuen Konzepte zu bekommen, und zwar durch Aussagen zum Wohlbefinden bzw. Unbehagen der Kinder sowie zur Qualität des Schlafs.

Wir gehen auch davon aus, dass die neuen Konzepte u. U. Auswirkungen auf die allgemeine Entwicklung des Kindes haben könnten. Durch die Beobachtungen der verschiedenen Entwicklungsbereiche wollten wir sehen, inwiefern die Entwicklung der Kinder beeinflusst wird. Dazu haben wir die Entwicklung der Kinder aus Einrichtungen, die nach den neuen Schulaußenstellen-Konzepten arbeiten mit Kindern aus den anderen Kindergärten verglichen, die jetzt ohne die schulpflichtigen Kinder auskommen (müssen). Außerdem haben wir eine Umfrage in Waldorfeinrichtungen in Dortmund und Stuttgart geplant, die mit der Berliner Situation vergleichbar sind, aber noch keinerlei Konzeptveränderung gegenüber früher haben vornehmen müssen.

Von einiger Bedeutung scheint uns dabei die Beobachtung der Spielphasen der Kinder zu sein. Wir vermuten, dass die drei aufeinander folgenden Spielphasen, die man bisher in der Kindergartenpädagogik berücksichtigt hat (siehe Jaffke: 1991), durch die neuen Konzepte beeinflusst werden. Wir nehmen an, dass die Spielphasen die allgemeine Entwicklung der Kinder spiegeln. Zunächst einmal wird geprüft, in welcher Form die Spielphasen überhaupt beobachtet wurden (d.h.: wie ist der Zusammenhang zwischen Alterstufe und Spielphase?). Wir wollen zuerst untersuchen, wie sich die Spielphasen als Entwicklungsprozess zeigen, und danach prüfen, inwiefern das Spielverhalten mit dem Konzept zusammenhängt.

Wir sind noch dabei zu überprüfen, ob wir in dem Erzieherbogen die Spielphasen verständlich und ausreichend beschrieben haben.

In beiden Bögen sind wir bemüht, ein Bild über das Freiwerden der Lebenskräfte der Kinder zwischen dem 6. und dem 8. Lebensjahr zu bekommen, um schließlich feststellen zu können, inwiefern die Konzepte unseren Kernkriterien der Bildung und Gesundheit im Sinne der Waldorfpädagogik entsprechen (siehe Patzlaff   Saßmannshausen, 2005).

Methodische Durchführung

Die Evaluationsmethoden basieren auf den bekannten Methoden der Praxisforschung (Altrichter, Messner und Posch: 2004, Kempfert und Rolff: 2005, Schratz, Iby und Radnitzky: 2000). Es wurden die folgenden Methoden der Datenerhebung ausgewählt und folgendermaßen begründet:

  • Beobachterbogen: um den direkten Einblick in die Praxis zu ermöglichen und um Entwicklungsprozesse und komplexe soziale Situationen zu beobachten.
  • Hospitationen: Projektmitarbeiter hospitieren in den verschiedenen Einrichtungen, um einen unmittelbaren Eindruck zu bekommen.
  • Fragebogen: um möglichst viele Eltern zu befragen; um auf unsere spezifischen Fragestellungen Rückmeldung zu bekommen; um Anonymität zu wahren; um Mittelwerte, Streuungen und Häufigkeiten zu erfassen und nachher bearbeiten zu können. Wir haben sowohl offene als auch anonyme Antwortmöglichkeiten gegeben.
  • Interviews: um vertiefende und differenzierte Informationen über komplexe Themenbereiche zu sammeln; um Gelegenheit zu geben, auch Meinungen zu äußern, die eventuell nicht konzeptkonform sind.
  • Protokollierte Konferenzgespräche: um viele Beteiligte gleichzeitig zu informieren und zu beraten.

Die gesammelten Daten wurden in ein Access-Datenbearbeitungsprogramm eingegeben, das uns ermöglicht, alle Daten nach Altersgruppen, Einrichtung und Fragestellung individuell oder gebündelt graphisch darzustellen.

Zum Wohlbefinden der Kinder

Wir haben, um das Wohlbefinden der Kinder zu erfassen, die Daten zu der Frage, Wie erleben Sie Ihr Kind zuhause? in ihrer Unterteilung in den folgenden Bereichen gebündelt:

  • Fröhlich
  • Voller Tatendrang
  • Voller Interesse
  • Zufrieden
  • Fühlt sich wohl in seiner Haut
  • Es würde in den Ferien auch gern in den KG bzw. Eingangsstufe gehen

Wir haben die folgenden negativen bzw. Lebenskräfte-abschwächenden Symptome wie folgt gebündelt:

  • Müde und schlapp
  • Angestrengt
  • Unausgeglichen
  • Blass
  • Nervös und zappelig
  • Ängstlich
  • Aggressiv

Eine graphische Darstellung der Befunde liegt vor.

Auftretende gesundheitliche Symptome

Um mögliche gesundheitliche Probleme zu erfassen, die in Zusammenhang mit den Konzepten zu sehen wären, wollen wir folgende Begriffe bündeln:

  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen

Daraus entstehen Bilder für die verschiedenen Altersgruppen und Einrichtungen. Wir werden diese Aussagen mit der zweiten Erhebung vergleichen können. Diese Auswertung liegt noch nicht vor.

Schlafqualität

Um die Schlafqualität zu erfassen, werden wir aus den Daten der Elternbögen die Fragen zum Einschlafen und Durchschlafen bündeln und graphisch darstellen. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Lebensstil

Um sich ein Bild zu machen, ob ein Zusammenhang zwischen den Ansprüchen der Eltern im Lebensstil (nach eigener Einschätzung) und möglichen Auswirkungen der Konzepte besteht, werden wir folgende Angaben bündeln:

  • Familienzusammenstellung
  • Besonderheiten und Veränderungen in der Familie
  • Wohnort
  • Medienkonsum
  • Freizeitgestaltung
  • Gesunde Ernährung
  • Regelmäßige Lebensweise (gemeinsame Essenszeiten, feste Zeiten für das Schlafengehen, Beten bei Mahlzeiten und Zubettgehen)
  • Medizinische Betreuung

Spielphasen

Um Indizien für die kindliche Entwicklung zu bekommen, haben wir die Erzieher bzw. Lehrer gebeten, die Kinder nach einem Spektrum von genau beschriebenen Formen des Spielverhaltens zu beobachten.

Unsere bisherigen Daten scheinen zu bestätigen, dass es diese Spielphasen in dieser Reihenfolge gibt, dass sie sich nicht ersetzen, sondern im Sinne einer Erweiterung hinzukommen, und dass im Allgemeinen eine Veränderung dahingehend stattfindet, dass sich die erste Spielphase im Spielverhalten der Kinder allmählich reduziert , und dass die dritte Spielphase allmählich eintritt.

Wir vermuten auch, dass Kinder, wenn sie in eine neue Situation kommen, typischerweise zunächst in eine frühere Spielphase zurückfallen, ein Phänomen, das mit anderen Entwicklungsvorgängen vergleichbar ist.

Wir vermuten auch, dass der Wechsel von altersheterogenen zu altershomogenen Gruppen (z.B. in der so genannten Brücken- bzw. Basalstufen – oder Eingangsklasse) eine Auswirkung im Sinne der Verzögerung beim Spielverhalten haben könnte. Es ist noch zu früh, Aussagen dazu zu formulieren. Dennoch wird schon deutlich, dass in allen Konzepten überprüft werden sollte, inwieweit die Kinder Gelegenheiten für freies Spielen erhalten. Denn wir gehen davon aus, dass das freie Spielen als entwicklungsausgleichende Tätigkeit sehr wichtig ist.

Es gilt, diese beiden oben erwähnten Thesen auf Grund der erhobenen Daten zu überprüfen.

Inwiefern diese Behauptung zutrifft und unter welchen Bedingungen, muss noch in weitern Studien untersucht werden. Die Bedeutung des Spielverhaltens der Kinder in dieser sensiblen Phase der Entwicklung muss überhaupt noch weiter erforscht werden. Das würde jedoch den Rahmen dieser Evaluation sprengen.

Mit den Daten der zweiten Erhebung werden wir in der Lage sein, das Spielverhalten der Kinder in ihrer Entwicklung entsprechend verschiedener Konzepte zu vergleichen.

Vergleichsstudien

In all diesen Datenzusammenstellungen wird es notwendig sein, zunächst festzustellen, was an der Entwicklung allgemein alterstypisch ist und somit unabhängig vom Konzept. Erst dann kann man sagen, welche Auswirkungen dem neuen Konzept zuzuschreiben sind. Dazu brauchen wir eine Vergleichsgruppe in großstädtischen Waldorfkindergärten in Bundesländern, in denen bisher keine (oder nur eine geringfügige) Vorverlegung des Einschulungsalters vorgenommen wurde. Deshalb haben wir in Dortmund und Stuttgart angefragt, ob Erzieher und Eltern bereit wären, eine Vergleichstudie durchzuführen. Frau Kaiser traf sich hierzu mit Eltern eines Dortmunder Kindergartens zu einer Besprechung. Eine entsprechende Vergleichsstudie soll demnächst durchgeführt werden.

Fortsetzung des Projektes

Wir haben kleine Verbesserungen in der Formulierung der Fragen vorgenommen, um die Fragen klarer und die Daten vergleichbarer zu machen. Diese werden in die Bögen eingearbeitet.

Neue Termine für die folgende Studie wurden vereinbart und weitere Interviews und Hospitationen verabredet.

Margarete Kaiser, Claudia McKeen, Martyn Rawson, Konrad Schmidt für AKÜKS, sowie Karsten Bauer und Michael Knoch für AKÜKS-BB

FWSK

Schild am Eingang

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