Über die Tätigkeit des Schularztes
Bericht von Dr. med. Michael Knoch, Schularzt, Anthroposophischer Arzt (GAÄD), Homöopathie
(ÄK Berlin), seit 2001 an der Schule
Die Waldorfpädagogik sieht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Pädagogen und einem Schularzt vor. Die Zusammenarbeit ist so angelegt, dass sie den Zusammenhang zwischen zwei verschiedenen Arten von Bildung berücksichtigt. Unter Bildung verstehen wir auf der einen Seite das, was mit dem Lernen zusammenhängt. Daneben gibt es auch noch die Bedeutung der Organ-Bildung. Diese aber gibt – menschenkundlich betrachtet – erst die Grundlage dafür ab, dass die andere, die schulische Bildung überhaupt stattfinden kann.
Oberstes Anliegen der Waldorfpädagogik ist die gesunde Entwicklung der Kinder. Dazu möge der Schularzt von seiner ärztlichen Warte aus seinen Teil zur Unterstützung der Lehrer beisteuern: eine Diagnose (was liegt vor bei diesem Kind in der derzeitigen Situation oder auch grundsätzlich, konstitutionell?) sowie ggf. Therapievorschläge.
Zu den regelmäßig von mir durchgeführten Untersuchungen gehört in Zusammenarbeit mit den Pädagogen die Einschulungsuntersuchung. Hierbei geht es um ein orientierendes erstes Kennenlernen des zukünftigen Schülers und seiner Eltern mit der besonderen Frage, ob vielleicht die Zeit bis zur Einschulung noch genutzt werden kann für die eine oder andere therapeutische Maßnahme. Es zeigt sich leider immer wieder, dass die Entwicklung der Kinder nicht mehr so selbstverständlich und problemlos verläuft, wie man das annehmen möchte.
Die Frage nach der Schulreife gilt es zu beantworten, denn danach wird entschieden, ob der Schüler direkt in die erste Klasse aufgenommen wird oder besser in die Schuleingangsstufe (vgl.: Schuleingangsstufenkonzept der FWSK). Die Erfahrung zeigt, dass eine nicht altersgemäße, zu früh begonnene Beschulung oft jahrelang Probleme nach sich zieht. Aber auch Fragen der Seitigkeit (Links- oder Rechtshändigkeit), der grob- und feinmotorischen Geschicklichkeit und der sozialen Kompetenz spielen bei dieser Einschulungsuntersuchung eine Rolle.
Eine weitere regelmäßig stattfindende Untersuchung ist die Viert-Klass-Untersuchung: jeder Viertklässler kommt einzeln für die Zeit etwa einer Unterrichtsstunde zum Gespräch und zur Untersuchung. Anschließend erfolgt ein gemeinsames Gespräch mit den Eltern und dem Klassenlehrer. Dabei werden die Wahrnehmungen von allen drei Seiten zusammengetragen, so dass eine Einschätzung über den Entwicklungsstand zustande kommen kann. Möglicherweise notwendige pädagogische oder therapeutische Hilfestellungen können gemeinsam erörtert werden.
Insgesamt möchte ich die Aufgabe eines Schularztes folgendermaßen umreißen: Der Schularzt soll Hilfestellung leisten bei anfallenden Problemen in der Schule. Das betrifft in erster Linie die Schüler, genauso aber auch Lehrer, Eltern oder die Schule als sozialen Organismus.
Im Einzelnen umfasst meine Arbeit derzeit folgende Themen oder Arbeitsfelder:
… für die Schüler
- Einschulungsuntersuchungen der “ABC-Schützen”
- Mitarbeit bei der Zweitklass-Untersuchung mit Elterngesprächen (auf Anfrage)
- Viertklass-Untersuchung mit Elterngesprächen
- Hospitationen im Unterricht
- Hospitationen in der Heileurythmie
- Unterrichtseinheiten zur Menschenkunde, zu Sucht- & Drogenfragen
- Mitarbeit in den Klassen- und Stufenkonferenzen
- Kinder- bzw. Schülerkonferenzen (“Kinderbetrachtungen”)
- Anamnese und Untersuchung, Diagnose, ggf. Therapie-Vorschläge
… für die Förder- & Therapie-Arbeit
- Zusammenarbeit mit der Förderlehrerin, dem Heileurythmisten und ggf. weiteren (künstlerischen) Therapeuten
- Mitarbeit in der wöchentlichen Therapie-Konferenz
- Kontakt zu dignostisch-therapeutischen Stellen außerhalb der Schule
… für die allgemeine pädagogische Arbeit
- Mitarbeit in den Konferenzen: KoKon (=Kooperationskonferenz der sog. Integrationslehrer), Mittel- & Unterstufen-Konferenz, Pädagogische Konferenz, Schulleitungskonferenz, Technische Konferenz (z.Zt. Leitung)
- Mitarbeit im Arbeitskreis “Schuleingangsstufe”
… für die Eltern
- individuelle Beratungsgespräche
- menschenkundliche Referate auf Elternabenden
… für den Sozialorganismus Schule
- Anregungen durch einen Nicht-Lehrer in der Schule …
- Mediation
Im Rahmen meiner klassisch-homöopathischen Privatpraxis besteht außerdem die Möglichkeit einer konstitutionellen Therapie. Diese stelle ich allerdings – nach vorheriger Absprache – gesondert in Rechnung, da sie den Zeitrahmen meiner Teilzeit-Schularztstelle übersteigt.
Schularzt-Sprechzeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag – an den Tagen mit “i” 10:00 bis 14:00 Uhr,
bitte möglichst nach telefonischer Anmeldung.
Praxis Klassische Homöopathie: nach telefonischer Terminvereinbarung. Tel.: 615 10 10-50,
ggf. bitte den Anrufbeantworter besprechen – ich rufe so rasch wie möglich zurück.

