Berlin-Kreuzberg, 10. Mar 2010

Die Kunstreise in der zwölften Klasse

(Bericht von Wolfgang Borning, Fotos: Maria Mikityla)

Mit der zwölften Klasse endet die Waldorfschulzeit. In den zwölf Jahren wurde versucht, die Schüler möglichst umfassend auf die vor ihnen stehenden Aufgaben vorzubereiten. Die Studienfahrt soll ein dementsprechendes Angebot sein.

ToskanaAm 27. September des vorigen Jahres fuhren wir in dem für elf Tage gecharterten Bus von Berlin nach Österreich, Wo wir nach gut zehnstündiger Fahrt übernachteten. Am folgenden Tag erreichten wir nach acht weiteren Stunden Fahrt das an der Adria gelegene Ravenna. Schüler-Referate führten uns die über 200-jährige Geschichte vor Augen und stimmten uns auf die Erkundungen der Basiliken, Mausoleen und Plätze ein.

Noch im Mittelalter war Ravenna eine Hafenstadt. Sandanschwemmungen der verschiedenen Po-Arme und künstliche Landgewinnung drängte die Küste immer weiter zurück, so dass die Stadt heute über 7 km vom Wasser entfernt liegt. Ein erster Höhepunkt war der Besuch der Kirche San Vitale. Neben dem Glanz, der Form und der Pracht sowie dem harmonischen Ganzen der Anlage erlebten wir dieses Gelände noch auf eine zweite Art. Im Zentrum der Kirche, dierekt unter der Kuppel, stellten wir uns den Stimmen nach auf und sangen, von einer Schülerin dirigiert, das „Locus iste“ von Bruckner, das „Ave verum corpus“ von Mozart sowie das „Ode et amo“ von Orff.

Welch ein bewegender Moment für uns, das Gebäude akustisch zu erleben! Welch eine Überraschung aber auch bei den anderen Kirchenbesuchern über die „heutige Jugend“.
In dem benachbarten Mausoleum wollte die römische Kaiserin Galla Placidia beigesetzt werden (tatsächlich wurde sie aber in Rom begraben). Wir nahmen uns hier drei Stunden Zeit, um, nach Referat und Besichtigung, dieses Bauwerk zu zeichnen.

Jeder suchte sich einen geeigneten Platz, um um diesen zierlichen Bau zu zeichnen, zu Beginn den Mut für den ersten Strich zu haben, dann immer wieder hinschauen, die gesetzten Linien mit dem Gesehenen abgleichen, oft den Radiergummi verwenden. Doch wie könnte man derartigen Bauten näher kommen?

Danach verließen wir Ravenna in Richtung Toskana, wo wir etwa 50 km südwestlich von Florenz, in Montaione, die weiteren sieben Tage blieben, in einem alten Landhaus, wo wir uns selber versorgen mussten: einkaufen, kochen, aufräumen. Doch gemeckert wurde kaum und bravourös in allen Diensten gewirkt.

Auf Tagestouren erlebten wir Florenz, Sienna, San Giminiano und San Galgano und nahmen mit Wasserfarben malend die Stimmung der Landschaft auf.

Von besonderer Bedeutung war der Besuch der Galleria dell‘ Accademia. Der David von Michelangelo. Die anmutige Schönheit dieser 4,43 m hohen Skulptur musste nach Michelangelos eigenem Bekunden „nur aus dem Marmor befreit werden“. Was steckt wohl heute in all den Fels- und Gesteinsbrocken auf unserer Erde? Mangelt es an Genies, wie Michelangelo eines war, um die Schönheiten unserer Zeit zu befreien?

Und all dies war Italien. Das Land der Pizzen, Nudeln und sprechenden Hände. Oft war es viel interessanter, einen Italiener sprechen zu sehen als ihn zu hören. Und die sanften Hügel und die vielfältige Vegetation ließen einen mitunter an Schilderungen vom Paradies denken.

Reich beschenkt verließen wir Italien nach zehn Tagen wieder, erlebten dann auf dem Brenner sogar noch den ersten Schnee in diesem Herbst, und erreichten wohlbehalten am 8. Oktober wieder Berlin.

FWSK

Schild am Eingang

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