Berlin-Kreuzberg, 12. Mar 2010

Buchbinden & Kartonage

Vom Färben, Falten, Kleben und Geduld üben.

Bericht aus dem künstlerisch-handwerklichen Unterricht.
Kartonagearbeiten und Buchbinden in der 11. und 12. Klasse.

Von Siegfried Hegel.

Im Lehrplan der Waldorfschule finden wir für die 11.und die 12. Klasse in den künstlerisch-handwerklichen Fächer jeweils eine Kartonage- und eine Buchbinden-Epoche.
Bei Gestaltung der ersten Waldorfschule in Stuttgart hat R. Steiner sehr empfohlen, dass die Schüler in den oberen Klassen erfahren sollten, wie ein Buch hergestellt wird. Der Kartonage-Unterricht findet in der 11. Klasse, der Buchbinden-Unterricht in der 12. Klasse statt.

Da an unserer Schule in diesen beiden Klassenstufen innerhalb der KPE (künstlerisch-praktische Epoche) Fächer ein gemeinsamer, klassenübergreifender Unterricht stattfindet, durchmischen sich innerhalb einer einzigen Epoche beide Klassen. Wir versuchen, die sich aufeinander aufbauenden Techniken und Tätigkeiten der Kartonage und des Buchbindens miteinander zu verbinden und zu vermitteln.

Die Ausbildung und Förderung der Sinnestätigkeit und der Urteilsfähigkeit für bestimmte praktische-handwerkliche Tätigkeiten sind ein Ziel dieser verschiedenartigen Tätigkeiten. Von den Schülern wird Disziplin im vorausschauenden Denken und Handeln gefordert. Die gestellten Tätigkeiten stellen strenge, klare und ein Höchstmaß von Anforderungen an Genauigkeit. Die Schüler üben, eine Entwicklungsreihe vor Augen zu habe und sich darüber klar zu werden, dass ein Arbeitsschritt erst erfolgen kann, wenn der davorliegende richtig und fertig ausgeführt wurde.

Die Arbeit mit dem Material Papier bringt einen neuen Aspekt in dieses alltägliche Material. In den vergangenen Jahren wurde Papier immer wieder in verschiedenen Unterrichtssituationen angewandt.
Doch nun sollen die Schüler dieses Material und seine Begleitwerkstoffe wie Leim, Kleister, Buchleinen, Buchbinderfaden usw. als eigenständigen Werkstoff und seine Anwendungsgebiete kennenlernen.
Papier kennen wir als alltäglichen Ge- und Verbrauchsgegenstand, ohne uns jedoch im einzelnen Gedanken über seinen Herstellung und seine besonderen Eigenschaften klar zu werden. Wir schätzen wenig den Wert der „in ihm“ steckt und uns ist wenig bekannt, welch großer Aufwand und Belastung der Umwelt in einem Blatt Papier steckt.

Der pädagogische Auftrag dieses Faches ist einerseits die Bildung einer Wahrnehmung dieses Materials im Bereich des Umweltschutzes, sowie der fachgerechte Umgang mit dem Papier und seinen Hilfsstoffen anderseits. Auch hier ist, wie in so manchen anderen Fächern, nicht das Produkt selbst das Ziel, sondern  der Entwicklungs- und Herstellungsprozess und seine daraus entstandenen Erfahrungen und Wahrnehmungen.

In der Arbeit entstehen kleine oder großen Schachteln, Schmuckkästchen, Schreittischset, CD Hüllen und viele andere eigene Ideen.

Beim Buchbinden selbst wird vom Schüler noch große Wachsamkeit und genaues, sauberes Arbeiten verlangt. Die Schüler stellen verschiedene Mappen her. Als erste Buchbindearbeit wird aus leeren Papierbögen ein Schreibebuch hergestellt, das vielfältige Verwendung finden kann z.B. als Tagebuch, Poetik Buch, Kochbuch usw.

Farbiges Marmormuster in Handarbeit

Hierzu wird farbiges Marmorpapier benutzt, das die Schüler selbst herstellen. So können unterschiedliche selbstgestaltete Bücher in Halbleinen, Ganzleinen oder sogar in Leder gebunden entstehen.

Zusätzlich ist es möglich, moderne klebegebundene Bücher oder andere Hefttechniken wie z.B. an einem Fotoalbum zu erlernen. Vielen Schülern erscheint die Arbeit in den Kartonage/Buchbinde Epoche einfach, jedoch ist hier schon so mancher an die Grenze seiner Feinmotorik, Wachheit und Geduld gekommen.

Und in so manchem Gesicht war am Ende die Freude erlebbar über ein Kunstwerk, das mit den eigenen Sinnen und Händen geschaffen wurde.

Kartonageherstellung

Fotos (c) Siegfried Hegel

FWSK

Schild am Eingang

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